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Dissertation Teilprojekt 1:
Entwicklung des Kerbensystems am Hainbach bei Kronach


Weitgehend verfülltes Kerbensystem am Hainbach in Oberfranken


Dynamik der Einschneidung und Wiederverfüllung eines Kerbenabschnittes

Zusammenfassung

Auf intensiv genutzten Hängen führte Bodenerosion häufig zur Bildung von Rinnen und zur flächenhaften Abtragung der oberen Bodenschichten. Die Ursachen und Auswirkungen des oft erst über einen langen Zeitraum landschaftsgestaltenden Prozesses der Bodenerosion wurden am Beispiel eines heute etwa 400 Meter langen und bis über sechs Meter tiefen Kerbensystems, das wenige Kilometer nördlich von Kronach in der obermainischen Bruchschollenlandschaft liegt, untersucht. Anhand systematischer Reliefanalysen sowie hochaufgelöster bodenkundlich-stratigraphischer Detailuntersuchungen der im Kerbensystem und am Unterhang abgelagerten Sedimente konnte die Relief- und Bodenentwicklung des etwa drei Hektar großen Einzugsgebietes untersucht werden. Mit der Verknüpfung von Sedimentdatierungen und archäologisch-historischen sowie witterungsgeschichtlichen Belegen war eine Rekonstruktion der Reliefentwicklungsdynamik in einer hohen räumlichen und zeitlichen Auflösung möglich.
In den untersuchten Kerbenfüllungen wurden mehr als 150 verschiedene Schichten mit zahlreichen Erosionsdiskordanzen abgegrenzt und analysiert. Während in der unteren Hälfte der Kerbenablagerungen meist sehr grobkörniges und grobgeschichtetes Material dominierte, zeigten sich in der oberen Hälfte der Sedimente eher feinkörnige und feingeschichtete Substrate. Ein erstes Kerbenreißen fand während eines oder mehrerer Starkregenereignisse in der ersten frühmittelalterlichen Nutzungsphase in einem Dellenbere8 September, 2008 15:00während sich der hangabwärtige Bereich mit Sedimenten verfüllte. Durch die Entstehung von Flurstrukturen wie Ackerterrassen und Nutzungsgrenzen änderte sich bis zum Spätmittelalter das Abflussverhalten erheblich und führte zu einer Vergrößerung des Einzugsgebietes um ca. 50 %. Über Ackerrandfurchen wurde das auf der Oberfläche abfließende Wasser in konzentrierter Form in neue Bahnen gelenkt. So kam es im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit zur Bildung zweier weiterer Kerben, die sich bis zu einer Tiefe von über sechs Metern in den Hang einschnitten. In den darauf folgenden Jahrhunderten - bis zur des Mitte des 19. Jahrhunderts - fanden nur noch gelegentlich stärkere lineare Einschneidungen im Kerbenbereich statt. Während dieser Zeit dominierte flächenhafte Bodenerosion auf den umliegenden Feldern im oberirdischen Wassereinzugsgebiet der Kerben. Das abgetragene Material wurde mit dem abfließenden Wasser in die Kerben geleitet und von der dortigen Vegetation ausgekämmt. Dies führte zu einer partiellen, stellenweise zur vollständigen Verfüllung einzelner Kerbenabschnitte. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts lagerten sich, aufgrund einer dominierenden Grünlandnutzung, nur noch sehr wenige Sedimente im Kerbenbereich und am Hangfuß ab, während ein etwa zehn Zentimeter mächtiger Humushorizont gebildet wurde. Zwischen 800 und 1850 n. Chr. wurde ein Volumen von 6430 Kubikmeter linienhaft erodiert. Heute sind die Kerben zu etwa 20% mit sandigen bis tonigen Sedimenten verfüllt. Durch das Kerbenreißen wurde eine landwirtschaftliche Anbaufläche von ungefähr 4400 Quadratmeter zerstört. Dies sind ca. 15% des gesamten natürlichen oberirdischen hydrologischen Einzugsgebietes.


© Markus Dotterweich, zuetzt aktualisiert am 8 September, 2008 12:05