Herzlich Willkomen auf der Homepage von Markus Dotterweich
Welcome on the Homepage of Markus Dotterweich

Zurück

Dissertation Teilprojekt 2:
Relief- und Bodenentwicklung eines Hanges bei Friesen (Landkreis Kronach)


Rest eines Tannenstumpfes der vor etwa 2000 Jahren während
eines extremen Erosionsereignisses von Kolluvien verschüttet wurde.


Dynamik der Hangentwicklung im Untersuchungsgebiet Friesen

Zusammenfassung

In der obermainischen Bruchschollenlandschaft konnten wenige Kilometer nördlich von Kronach in Oberfranken, die holozäne bzw. prähistorische und historische Siedlungsentwicklung, Landnutzungsgeschichte, Bodenbildung und Bodenerosion umfassend rekonstruiert und erstmals für einen süddeutschen Standort die Dynamik der Boden- und Reliefentwicklung bis hin zu einzelnen Bodenerosionsphasen quantifiziert werden.
Hierfür wurden an einem etwa 80 Meter langen Hang unterhalb einer mittelalterlichen Ortswüstung mehrere bis zu 25 Meter lange Aufschlüsse angelegt und bodenkundlich-stratigraphisch untersucht. Eine zeitliche Einordnung der einzelnen Böden und Sedimente erfolgte anhand archäologischer und physikalischer Datierungsverfahren. Anschließend konnte unter Einbeziehung archäologischer Grabungsergebnisse sowie der Auswertung zeitgenössischer Schriftquellen zur Landnutzungs-, Siedlungs- und Witterungsgeschichte die holozäne Landschaftsentwicklung rekonstruiert werden.
Die im Untersuchungsgebiet Friesen bis zur Völkerwanderungszeit nachweisliche Bildung einer Braun- bzw. Parabraunerde erfolgte nicht kontinuierlich. So führten in den letzten 4000 Jahren neun Bodenerosionsphasen am Ober- und Mittelhang zu einer teilweisen Zerstörung des Bodens, der heute nur noch am Unterhang unter Kolluvien erhalten ist oder unter Kulturschichten konserviert wurde8 September, 2008 15:00uml;tbronzezeit, der Hallstattzeit und der Römischen Kaiserzeit auf kurzlebigen Rodungsinseln Unterbrechungen der Bodenbildung statt, und Starkniederschläge führten zum Abtrag von Boden am Hang sowie zu Einschneidungen und Wiederverfüllungen einer Rinne quer zum Hangfuß. Für das Mittelalter lassen sich einzelne Phasen intensiver Bodenerosion mit den drei archäologisch ermittelten Siedlungsphasen korrelieren. Insbesondere im Hochmittelalter und Spätmittelalter wurde während Starkregenereignissen der überwiegende Teil der Braunerde bzw. der Parabraunerde hangabwärts transportiert und am Unterhang sowie im Tal abgelagert. Für die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts konnten zwei extreme Bodenerosionsereignisse identifiziert werden, bei denen etwa 29% der gesamten Kolluvien abgelagert wurden. In der Mitte des 14. Jahrhunderts lagen im Bereich des Oberhangs nur noch die nährstoffarme jungpleistozäne Solifluktionsdecke bzw. die anstehenden Gesteine des Buntsandsteins an der Oberfläche. In der Neuzeit fanden die höchsten Bodenabträge statt, jedoch lassen sich keine eindeutigen Aussagen über ein phasenhaftes Auftreten von Bodenerosionsereignissen machen, da die Kolluvien durch Pflugtätigkeit zusätzlich verlagert und homogenisiert wurden.
Für sieben geomorphodynamisch aktive Phasen in den letzten 2800 Jahren konnten die Abtragsraten bilanziert werden. Die Werte variieren von 0,5 t*ha-1*a-1 in der Hallstatt-Zeit bis 1925 t*ha-1*a-1 im Spätmittelalter. Durch die Bodenerosion wurde die Form des untersuchten Hanges stark verändert. Das Gefälle des konvexen Oberhangs verflachte sich von der Völkerwanderungszeit bis heute von über 30% auf nunmehr ca. 16 %.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die starken Bodenerosionsereignisse in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in einem kausalen Zusammenhang mit dem Auftreten der Wüstungsperiode in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in der Kronacher Region stehen.


© Markus Dotterweich, zuetzt aktualisiert am 8 September, 2008 12:11