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Holozäne Ökosystementwicklung in Franken

Projekt Information


Lage der Untersuchungsgebiete (zum Vergrößern in Bild klicken)

Projekt Koordination:
Markus Dotterweich (Landau, Germany)

Betreuung:
Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork (Ökologie-Zentrum, Universität Kiel)

Laufzeit:
1999 bis 2003

Finanzierung:
- Cusanuswerk (Promotionsstipendium)
- Ökologie-Zentrum, Universität Kiel

Zusammenfassung

In meiner Dissertation werden die Einflüsse von Landnutzung und des hygrischen Klimas auf die holozäne Relief- und Bodenentwicklung in sechs kleinen Wassereinzugsgebieten in der fränkischen Schichtstufenlandschaft untersucht. Die qualitativen und quantitativen Ergebnisse geben neue Erkenntnisse zu den langfristigen Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Umwelt.
Der Untersuchungsraum wird im Süden vom östlichen Steigerwald sowie dem Regnitztal und im Norden von der Obermainischen Bruchschollenlandschaft begrenzt. Dort stehen überwiegend sandig-tonige Gesteinsschichten an, die partiell von einer mehrere Dezimeter mächtigen lehmigen Solifluktionsdecke überdeckt werden. Ausgewählt wurden gut erhaltene Geoarchive an kurzen Hängen, in Kerbensystemen und kleinen Tälern, deren Einzugsgebiete meist nur wenige Hektar umfassten. In zwei Untersuchungsgebieten wurden gleichzeitig archäologische Grabungen vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt.
Die bis zu 30 Meter langen Bodenaufschlüsse wurden bodenkundlich und feinstratigraphisch analysiert und deren Genese mittels archäologischer und physikalischer Verfahren datiert. Durch die Auswertung zeitgenössischer Schriftquellen zur Landnutzungs-, Siedlungs-, und Witterungsgeschichte sowie unter Hinzuziehung archäologischer Grabungsergebnisse konnte eine Rekonstruktion der 8 September, 2008 15:00Das Projekt gliedert sich in 6 Teilprojekte:

Mit dem Beginn der Rodungen im Neolithikum wurde in Franken die Ökosystementwicklung von mehreren unterschiedlich langen Perioden und Intensitäten der Landnutzung geprägt. Bis zum Ende des Frühmittelalters wurde die durch Bodenbildung unter Waldvegetation dominierte holozäne geomorphodynamische Stabilität nur im Bereich der meist kurzlebigen Rodungsinseln unterbrochen.
Vor allem in der Römischen Kaiserzeit (30 v. Chr. bis 450 n. Chr.) führten einzelne Starkregenereignisse zu enormen Bodenverlusten von über ein Meter. Als Folge wurden landwirtschaftlich genutzte Flächen aufgegeben.
Bis zum Ende des Hochmittelalters wurden alle Untersuchungsgebiete fast vollständig gerodet und landwirtschaftlich oder als Siedlungsfläche genutzt. Flächenhafte Bodenerosion trat jedoch nur im geringen Maße auf. In zwei Untersuchungsgebieten kam es entlang von Wegen zu intensiven Abflussereignissen und Kerben rissen ein.
Im Spätmittelalter führte die weiter intensivierte Landnutzung gepaart mit extremen Niederschlagsereignissen zu intensiven Bodenabträgen. Mehrere hundert Meter lange und bis zu sechs Meter tiefe Schluchten rissen ein. Einzelerosionsereignisse führten zu einer flächenhaften Hangtieferlegung von bis zu 12 Zentimetern und zur Exposition der anstehenden Gesteine. Die Nutzung wurde in fast allen Untersuchungsgebieten aufgegeben und sie bewaldeten sich wieder. Bereiche mit Sonderkulturen wurden hingegen weiter genutzt.
Vom 16. Jahrhundert bis zum 18. Jh. intensivierte sich die landwirtschaftliche Nutzung erneut. Während dieser Zeit verlängerten sich durch Bodenerosion die im Mittelalter angelegten Kerben, ihre Unterläufe verfüllten sich z. T. vollständig. Ab dem 19. Jahrhundert gingen in fast allen Untersuchungsgebieten die Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzung und somit auch das Ausmaß der Bodenerosion kontinuierlich zurück. Kerbenreißen trat nur noch in Bereichen mit Wegenutzung auf. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind fast alle Untersuchungsgebiete bewaldet oder werden als Dauergrünland bewirtschaftet.
Ein deutschlandweiter Vergleich der mittelalterlich-neuzeitlichen Erosionsbilanzen zeigt, dass sich die Erosionsereignisse in Franken in ihrer Ausprägung und Intensität nur wenig von denjenigen in den Jungmoränenlandschaften Norddeutschlands unterscheiden, während die Abtragsraten in stark reliefierten Lößgebieten bis zu 10mal höher ausfallen können.

Die Ergebnisse lassen sich auch für die Validierung von Geosystem- und Erosionsmodellen verwenden und sie dienen letztlich der Erforschung der Umweltgeschichte, die für die Entwicklung zukünftiger und nachhaltiger Landnutzungssysteme von großer Bedeutung sind.

Die Arbeit wurde vom 01.Mai 1999 bis Februar 2002 vom Cusanuswerk gefördert.

Kooperation

  • Dr. J. Haberstroh, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
  • Dr. M. Nadler, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
  • B.-U. Abels, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
  • Prof. Dr. A. Lang, K.U. Leuven, Belgien
  • Dr. B. Mauz, Geographisches Insitut, Universität Bonn


© Markus Dotterweich, zuetzt aktualisiert am 8 September, 2008 13:24